Ob Logistikhalle, Produktionsstandort oder Bürogebäude: Die Fassade ist mehr als nur Außenhaut und Optik. Sie ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Wenn sich Bleche an der Attika lösen, Befestigungen korrodieren oder Putz und Beton abplatzen, kann daraus schnell ein Risiko für Mitarbeitende, Besucher und Passanten werden. Genau deshalb rücken regelmäßige Fassadeninspektionen im Gewerbe immer stärker in den Fokus.
Wichtig ist dabei eine saubere Einordnung: In Deutschland gibt es nicht überall eine pauschale, bundesweit einheitliche Frist nach dem Motto „Fassade alle X Jahre prüfen“. Trotzdem kann eine Inspektion verpflichtend sein. Und selbst dort, wo sie nicht „hart“ vorgeschrieben ist, ist sie in vielen Fällen dringend empfohlen, weil sie Risiken nachweisbar reduziert und Instandhaltung planbar macht.
Warum Gewerbefassaden besonders prüfkritisch sind
Gewerbefassaden sind oft großflächig und konstruktiv detailreich: Sandwichpaneele und Metallbekleidungen, lange Anschlussfugen, Attikaabdeckungen, viele Schraubpunkte, Durchdringungen, Werbeanlagen, Lüftungsgitter oder Fensterbänder. Belastungen wie Wind, UV, Temperaturschwankungen, Feuchte, Reinigungsintervalle und gelegentliche Anfahrten (z. B. durch Stapler) wirken dauerhaft und führen häufig zu schleichenden Schäden.
Warum sind Attika, Kanten und Befestigungen so oft die Problemzonen?
Weil dort mehrere Faktoren zusammenkommen: Wasser wird an Kanten geführt, Dichtstoffe altern, Metall arbeitet durch Temperaturwechsel, und Befestigungspunkte sind lokal stark beansprucht. Viele relevante Schäden beginnen genau dort, wo man sie vom Boden aus nicht zuverlässig beurteilen kann.
Was ist „verpflichtend“ und was „dringend empfohlen“?
Verpflichtend: Der sichere Zustand muss erhalten bleiben
Im bauordnungsrechtlichen Rahmen ist der Grundsatz eindeutig: Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben und Gesundheit, nicht gefährdet werden. Das steht so in § 3 der Musterbauordnung (MBO) als Leitbild für die Landesbauordnungen.
Kommt es zu einem Schaden, wird außerdem schnell die zivilrechtliche Haftung relevant: § 823 BGB regelt die Schadensersatzpflicht bei vorsätzlicher oder fahrlässiger, widerrechtlicher Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit, Eigentum oder sonstigen Rechten.
Ist eine Fassadeninspektion gesetzlich verpflichtend, auch ohne feste Prüffrist?
Nicht zwingend als starre Jahreszahl. Verpflichtend ist aber, Gefahren zu vermeiden und den sicheren Zustand zu erhalten. Wenn die Immobilie ein erhöhtes Risiko hat (z. B. Alter, sichtbare Schadensanzeichen, exponierte Lage, viel Publikumsverkehr, komplexe Fassadendetails), ist eine regelmäßige und dokumentierte Inspektion in der Praxis der plausibelste Weg, diese Pflicht nachvollziehbar zu erfüllen.
Dringend empfohlen: Regelmäßige Inspektionen als „Best Practice“ für Betreiber
Auch wenn du nicht „in einer Frist“ steckst, sind Fassadeninspektionen im Gewerbe dringend empfohlen. Nicht aus Bauchgefühl, sondern aus drei sehr konkreten Gründen:
Planbarkeit statt Notfallmodus
Früh erkannte Mängel lassen sich geplant beheben. Das reduziert ungeplante Stillstände, Eilmaßnahmen und Folgekosten.Nachweisfähigkeit durch Dokumentation
Ein Protokoll mit Fotos, Ortsangaben und Priorisierung zeigt, dass Risiken aktiv gemanagt werden. Im Schadensfall ist genau diese Nachvollziehbarkeit oft entscheidend.Orientierung an anerkannten Vorgehensweisen
Für die strukturierte regelmäßige Überprüfung der Standsicherheit gibt es mit VDI 6200 eine etablierte Richtlinie. Sie beschreibt, wie regelmäßige Überprüfungen strukturiert, effizient und wirtschaftlich durchgeführt werden können, und nennt Beurteilungs- und Bewertungskriterien sowie Checklisten und Empfehlungen zur Instandhaltung.
Ist VDI 6200 verpflichtend?
Nein. VDI-Richtlinien sind keine Gesetze. Aber sie sind eine anerkannte technische Orientierung, um Inspektionen einheitlich, risikobasiert und nachvollziehbar aufzusetzen, gerade wenn Betreiberorganisationen Standards für Governance, Audit und Instandhaltungsplanung brauchen.
Zusätzlicher Kontext: Prüfpflichten bei Sonderbauten und technischen Anlagen
Unabhängig von der Fassade gibt es Landesregelungen, die wiederkehrende Prüfungen vor allem für technische Anlagen und Sonderbauten konkret regeln. Ein Beispiel ist Nordrhein-Westfalen mit der PrüfVO NRW („Verordnung über die Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten“). Das bedeutet nicht automatisch, dass „jede Fassade“ dort eine fixe Prüffrist erhält. Aber es verstärkt den generellen Trend: Betreiber müssen Prüfprozesse organisieren, Verantwortlichkeiten klären und Ergebnisse dokumentieren.
So sollte eine professionelle Fassadeninspektion aufgebaut sein
Eine belastbare Fassadeninspektion ist mehr als ein kurzer Rundgang. Bewährt hat sich ein stufenweises Vorgehen:
Regelbegehung (Sichtprüfung)
Prüfung auf offensichtliche Mängel: lose Teile, Verformungen, Korrosion, Risse, Abplatzungen, Feuchtespuren, auffällige Fugen, Schäden an Anschlüssen und Attiken – besonders über Eingängen, Wegen und Parkflächen.Vertiefte Prüfung (bei Auffälligkeiten oder hohem Risiko)
Wenn kritische Bereiche in Höhe liegen oder Befestigungen und Unterkonstruktion betroffen sein könnten, reicht „Bodenblick“ oft nicht. Dann braucht es je nach Objekt Hilfsmittel wie Hubarbeitsbühne oder gezielte Detailprüfungen.Dokumentation und Maßnahmenplan
Fotos, klare Verortung (Bauteil/Abschnitt), Risikoeinstufung (sofort, kurzfristig, planbar) und ein konkreter Instandsetzungsplan. VDI 6200 betont genau diese Logik: strukturierte Überprüfung, Bewertung und handlungsorientierte Empfehlungen.
Reicht eine Sichtprüfung vom Boden aus?
Als Einstieg oft ja. Sobald aber Attika, Befestigungen, hochgelegene Anschlüsse oder wiederkehrende Feuchteanzeichen betroffen sind, ist eine vertiefte Prüfung sinnvoll, weil die entscheidenden Schäden häufig dort sitzen, wo man sie vom Boden nicht seriös beurteilen kann.
Was muss dokumentiert werden, damit es wirklich belastbar ist?
Mindestens: Datum, Prüfumfang, geprüfte Bereiche, Fotos, Feststellungen, Risikobewertung und Maßnahmenplan. Kurz: Dokumentation macht aus „wir haben geschaut“ ein nachweisbares Risikomanagement.
Wie oft sollten Gewerbefassaden inspiziert werden?
Eine seriöse Frequenz hängt vom Risiko ab, nicht von einer pauschalen Zahl. Einflussfaktoren sind u. a. Lage (Wind, Industrieatmosphäre), Fassadentyp, Gebäudehöhe, Publikumsverkehr, Alter, Sanierungsstand und Schadenshistorie. VDI 6200 arbeitet entsprechend mit strukturierten Kriterien und Empfehlungen statt mit einer Einheitsfrist.
Gibt es eine praxistaugliche Empfehlung ohne falsche Versprechen?
Ja: Viele Betreiber kombinieren regelmäßige Routinebegehungen mit anlassbezogenen Zusatzprüfungen, etwa nach Stürmen, Umbauten oder bei ersten Auffälligkeiten. Entscheidend ist ein nachvollziehbarer Plan, der zur Immobilie passt.
Van Heemskerk: Inspektion, Pflege und Schutz als durchgängiger Prozess
Inspektionen bringen den größten Nutzen, wenn die Maßnahmen danach konsequent umgesetzt werden: priorisieren, instand setzen, schützen. Van Heemskerk beschreibt genau diesen Ansatz im Kontext von Gewerbeobjekten: Unterstützung bei Inspektion, Reinigung und Instandsetzung von Fassaden, damit das Gebäude repräsentativ und in gutem Zustand bleibt.
Wenn die Inspektion zeigt, dass Oberflächen und Schutzsysteme nachlassen, ist Beschichten eine typische Folgemaßnahme: Van Heemskerk nennt ausdrücklich das erneute Coaten von Dach und stählerner Fassadenbeplating, um Schutzwirkung und Erscheinungsbild zu erneuern.